Was ist eigentlich der Job meiner Website?
Tipps

Welchen Job hat meine Website?

Würden Sie eine Mitarbeiterin einstellen, ohne sich vorher Gedanken zu machen, was deren Aufgaben sein sollen? 

Auch wenn Ihre Website keine Mitarbeiterin im eigentlichen Sinne ist, ist es durchaus sinnvoll, vorher zu überlegen, was sie “tun” soll. 

Websites können sehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Und sie können das nur dann richtig gut, wenn man sie auch entsprechend Zeit nimmt für die Planung und Optimierung.

Aber was sind denn mögliche Aufgaben?

Website als Visitenkarte

Wer ausdrücklich nach Ihrem Namen oder ihrer Firma sucht, findet ihre Visitenkarten-Homepage (alle anderen eher nicht). Da steht ein bisschen mehr als auf papierenen Visitenkarten, aber nicht viel. 

Solche Seiten sind im Prinzip einzig eine Bestätigung für den Besucher, dass es Sie und Ihre Firma gibt. Weder lässt sich damit gross an der Platzierung bei Google etwas machen, noch werden Sie darüber neue Kunden gewinnen gewinnen. Ausser Sie sind ein Glückspilz.

Virtuelle Visitenkarten machen meistens nicht viel Sinn. Aber wenn Sie kurz vor der Rente stehen und sich sowieso kaum vor Aufträgen retten können, warum nicht?

Oder wenn Sie gar keine Website wollen, Ihre Lieferanten aber immer danach fragen und Ihnen nicht glauben, dass Sie überhaupt aktiv. 

Soll’s alles geben. 

Akquisition (Lead Gewinnung)

Eindeutig die meisten aller Unternehmer, die eine Website wollen, möchten damit neue Kontakte gewinnen. Das ist die anspruchsvollste Kategorie, aber natürlich auch die spannendste. 

Wenn das Ihr Ziel ist (was ich vermute), dann müssen Sie sich unbedingt Gedanken machen, wer Ihr Zielpublikum ist, welche Probleme diese Menschen haben und wie Sie Ihnen helfen können. 

Nehmen Sie sich hierfür Zeit, denn es ist ein wichtiger Punkt. Vielleicht können Sie den aber auch schon abhaken, weil Sie sich diese Gedanken schon längst gemacht haben für andere Marketingkonzepte. 

Falls nicht, hilft Ihnen diese kleine (und keinesfalls vollständige) Checkliste

  1. Wer ist mein perfekter Kunde?
    Beschreiben Sie diesen Mensch so genau wie möglich, viel genauer, als es eigentlich für Ihr Produkt vonnöten wäre. So genau und konkret, dass er ein guter Freund sein könnte. 
  2. Was ist sein Problem?
    Was ist das Problem, das mein perfekter Kunde hat? Wo drückt der Schuh, warum ist auf der Suche nach einer Lösung wie der Ihren? Und wie sucht er überhaupt nach der Lösung? Weiss er von seinem Problem oder müssen Sie es ihm erst beibringen, dass er eines hat? Wie machen Sie das?
  3. Wie sieht meine Lösung aus?
    Wie würde es diesem Kunden gehen, wenn er Ihr Produkt hätte? Wo steht er dann in Bezug auf sein Problem? Und warum sollte es Ihre Lösung sein, es gibt ja sicher noch andere vergleichbare Lösungen? 

Versuchen Sie, diese drei Punkte schriftlich und sehr ausführlich festzuhalten. Schreiben Sie einen Roman dazu, wenn Sie mögen. 

Sie müssen diese Texte nie veröffentlichen. Aber sie werden Ihnen helfen, stets das Bild Ihres Wunschkunden vor Augen zu haben und den Inhalt Ihrer Seite auf ihn auszurichten. 

Genau das ist nämlich Sinn und Zweck der Übung: Wenn Sie ganz genau wissen, wen Sie ansprechen wollen, fällt es Ihnen viel leichter, den richtigen Inhalt zu erstellen. 

Website als Informations-Plattform

Wenn Sie nichts verkaufen wollen, sondern nur Meldungen zu einem bestimmten Thema veröffentlichen, dann ist die Hauptaufgabe Ihrer Website das Verbreiten von Infos oder News.

Das kann ein Blog (Weblog) sein oder eine klassische News-Seite, wie sie von Zeitungen betrieben wird. Aber auch Vereins-Seiten oder die Website eines Fanclubs können so aufgebaut sein. 

Allerdings sind die Grenzen häufig fliessend. Denn News-Seiten wollen oftmals Werbung verkaufen, Vereine sind an der Akquirierung von neuen Mitgliedern interessiert oder Fanclubs wollen Merchandise-Artikel verkaufen. Was uns zum nächsten Website-Typ bringt.

Website für den Verkauf / Shop

Haben Sie Produkte, die Sie auf Ihrer Seite verkaufen wollen? Dann braucht’s eine Shop-Lösung. 

Die technischen Aspekte dürfen Sie gerne dem Webdesigner überlassen. Aber Sie sollten sich Gedanken machen, wie der Bestellprozess vonstatten gehen soll. Die folgende kleine Checkliste hilft dabei: 

  1. Art der Produkte
    1. physische Produkte: Produkte, die man anfassen kann und die per Post oder Kurier verschickt oder vom Kunden abgeholt werden. 
    2. digitale Produkte: Produkte, die in Form einer Datei oder eines Links, eines Logins oder einer Datei verschickt werden. Dazu gehören u.a. Hörbücher, Online-Kurse, E-Books, usw. 
    3. Dienstleistungen: Eine Form von Produkt, die weder per Mail noch per Post geliefert, sondern zu einem definierten Zeitpunkt erbracht wird. 
    4. Gutscheine: Können digital oder physisch erstellt und geliefert werden. Bedenken Sie, dass digital übermittelte Gutscheine eindeutige Merkmale haben müssen, weil man sie ansonsten beliebig kopieren kann.
  2. Art der Bezahlung
    1. Kreditkarte / Paypal
      Hat den Vorteil, dass Sie erst liefern, nachdem der Kunde bezahlt hat. Kreditkarten und vergleichbare Dienste wie Paypal, Stripe oder Twint sind mittlerweile gut verbreitet und stossen auf breite Akzeptanz. Die Gebühr, die Sie an den jeweiligen Anbieter entrichten müssen, ist kalkulierbar. Eine Anbindung an den eigenen Shop kann kostenpflichtige Module benötigen. 
    2. Rechnung
      Sehr hohe Akzeptanz, da der Kunde zuerst die Ware erhält und erst dann zahlen muss. Allerdings haben Sie das Risiko des Zahlungsausfalls, was möglicherweise kostspielige rechtliche Schritte bedingt. Bei Bestandskunden jedoch weniger problematisch und Neukunden könnten vorab geprüft werden.
    3. Vorkasse
      Das Inkasso-Risiko verschwindet, wenn Sie gegen Vorkasse liefern, dafür ist da die Akzeptanz seitens der wesentlich Kunden geringer. Sollten Sie anbieten, wenn Sie auch Bezahlung per Kreditkarte anbieten, weil Sie damit Kunden erreichen, die gar keine Kreditkarte haben (ja, die gibt’s).
  3. Art der Lieferung
    1. Online
      Bei digitalen Produkten haben Sie es verhältnismässig einfach, zumal es hier sehr gute und automatisierbare Lösungen gibt, die mit wenig Geld und Aufwand implementiert sind. Allerdings ist dann fast Pflicht, mit Kreditkarte, Paypal oder vergleichbaren Diensten bezahlen zu können.
    2. Offline
      Physische Produkte können leider nicht per Download-Link oder E-Mail verschickt werden. Natürlich kann auch da vieles automatisiert werden, aber es braucht mehr Vorarbeit und Überlegungen, um ein sauber funktionierendes System bereitzustellen. Machen Sie sich da unbedingt im Voraus gut Gedanken über zu erwartende Mengen, Grössen und Gewichte der Artikel, Abwicklung des Lieferprozesses, Lagerhaltung, Transport. 

Sie sehen, es gibt doch so einiges, an das man man denken sollte, um einen optimalen Start hinzubekommen. 

Selbstverständlich sind die Grenzen zwischen allen obigen möglichen Bereichen nicht fix. Im Gegenteil, viele Websites erfüllen mehrere Zwecke. Sie sind zugleich eine Stelle, bei der man sich unverbindlich informieren kann und versuchen gleichzeitig auch neue Kontakte zu gewinnen. 

Eine gute Planung ist die halbe Miete

Da ist es wichtig, dass Sie sich Gedanken machen, welche Inhalte Sie wo haben wollen. Jemand, der mit Kaufabsichten auf Ihre Seite kommt, hat andere Bedürfnisse als jemand, der zum ersten Mal bei Ihnen landet und sich informieren will. 

Wie können Sie Ihre Inhalte so verteilen, dass sie einander nicht stören und jeder rasch das findet, was ihn interessiert? 

Es mag Ihnen im ersten Moment seltsam erscheinen, für Ihre Website so etwas wie eine Arbeitsbeschreibung zu erstellen. Aber Sie werden merken, dass Ihnen laufend neue Idee kommen, während Sie die Aufgaben festlegen und zu formulieren versuchen. 

Und vor allem ist nicht zu unterschätzen, wie viel Zeit Sie bei der Umsetzung sparen. Ein Sprichwort besagt: Gute Planung ist die halbe Miete. Das gilt unabhängig davon, ob Sie die bestehende Seite umstrukturieren oder eine neue erstellen lassen.  

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